Zukunftstrend mobile Tagging

Nils mobile Marketing Leave a Comment

In den letzten Monaten hat das mobile Internet einen regelrechten Schub erhalten. Vor allem die Netzbetreiber, wie o2 und Vodafone wollen es jetzt wissen und versuchen auf den Zug aufzuspringen, den Apple und T-Mobile mit dem iPhone gestartet haben. Noch sind die Tarife nicht ausgereift. Aber dennoch scheint eine immer größer werdende Bevölkerungsgruppe mit dem Handy mobil ins Internet zu gehen. Neben dem reinen Online-Zugriff für Informationen, Nachrichten, E-Mail und Chat unterwegs kommt in den nächsten Jahren noch ein weiterer Trend auf uns zu, der durch die wachsende Verbreitung von mobilen Datentarifen und passenden Endgeräten befeuert wird – Mobile Tagging.

In Japan ist mobile Tagging schon lange etabliert, dort vor allem durch QR-Codes. In den USA und Europa klingt diese Form der mobilen Informations-Vernetzung noch nicht angekommen zu sein. Vielmehr zeichnet sich schon jetzt die Entwicklung einer anderen, weitaus ausgereifteren Form ab. Mobile Tagging durch ortsbezogene Dienste und vor allem Augmented Reality, kurz AR. Bei QR-Codes, bei denen der Sender an Orten, Werbung und sonstigen Informationsträgern in der Real-Welt kleine binäre 2-D-Grafiken anbringt, muss der Rezipient vor allem die software-technischen Voraussetzungen erfüllen, um die Botschaft mittels mobilem Endgerät wieder entschlüsseln zu können. Der Nutzer braucht dafür eine Aufnahmeeinheit (in der Regel die Kamerafunktion des Handys), eine Entschlüsselungs-Software und den Zugang zum mobilen Internet.

Anders bei der angesprochenen neuen Form des mobile Taggings. Hier werden die gleichen Informationsbausteine der Real-Welt (sei es ein Ort, ein Restaurant oder ein Plakat) auf andere Weisen mit Tags versehen. Möglich machen dies vor allem die GPS-Fähigkeiten moderner Handys. In Kombination mit Kartenmaterial ist es so z.B. mit dem iPhone möglich, direkt Gebäude und Orte zu kommentieren. Jeder der dann das gleiche Gebäude mit seinem Handy vor Ort besucht, kann sich diese Information wieder abrufen. Der Abruf kann dabei auf verschiedenste Weise erfolgen, z.B. durch einfache Suche nach dem Namen des Gebäudes. Zurück erhält man den Kommentar oder beispielsweise einen Wikipedia-Eintrag. Noch einfacher funktioniert der Informationsabruf aber durch Augmented Reality. iPhone-Software wie Wikitude oder Layar machen es möglich. Ist der Ort vertaggt braucht man sein Gerät nur noch in die gewünschte Richtung halten und schon wird angezeigt, was andere darüber zu berichten haben.

Dies bietet ungeahnte Möglichkeiten für das mobile Marketing. Aber auch ungeahnte Gefahren für Unternehmen. Letztlich ist mobile Tagging vor allem eine völlig neue Art der Kommunikation mit Menschen außerhalb von Zuhause. Es bedeutet aber gleichzeitig auch einen Verlust der Informationshoheit, wie er bisher noch nicht dagewesen ist. Man stelle sich nur einmal vor, ein Unternehmen wie Starbucks würde in einer Großstadt alle seine Cafés mit mobilen Tags versehen, so dass man mit einer iPhone-App sehen kann, wo man den nächsten Frappuccino bekommt. Gleichzeitig würde es in der App noch auf aktuelle Aktionen hinweisen. Zukunftsmusik? Von wegen. Zwar nicht von und für Starbucks machen es doch aber Anwendungen wie besagtes Wikitude möglich, dass so etwas schon heute funktioniert. Eine App auf google Maps-Basis in Verbindung mit einer AR-überlagerten Anzeige und dem Wegweiser zur nächsten Cocktail-Bar ist schon heute möglich. Ein pfiffiger Barbesitzer kann seinen Wettbewerber ausstechen, in dem er allen Nutzern der App direkt mitteilt, dass gerade bei ihm jetzt Happy Hour ist.

Was hat es aber mit dem Verlust der Informationshoheit auf sich? Ganz klar: nicht nur die Unternehmen werden zukünftig mobile (Werbe-)Botschaften aussenden, auch die Konsumenten können dies. So kann der Barbesitzer noch so viel Werbung für seine Cocktails machen – wenn Bar-Besucher mobile Reviews der Bar zugeordnet haben, die alles andere als rosig sind, wird sich kaum jemand dorthin verirren. Einfluss darauf hat man als Unternehmen kaum. Social Media hält somit zukünftig auch Einzug in Orte der nicht-digitalen Welt. Und man kann sich diese Entwicklung für alles vorstellen, was da draußen ist. Restaurants, Cafés, Kinos, Theater, Schwimmbäder, Bäcker, ja jegliche Form von Dienstleistungsunternehmen. Sie alle können davon durch mobil vertaggte Werbung profitieren und auf der anderen Seite durch mobil vertaggte Social Media Nachteile haben.

Jetzt mag einer sagen, dass dies doch alles nichts Neues ist. Wenn ein Dienstleister schlecht war, hat sich das schon immer durch Mundpropaganda rumgesprochen. Das stimmt zwar. Aber dies galt bisher immer nur für einen regional begrenzten Personenkreis. Mit mobile Tagging kann ich heute als Deutscher aber auch sehen, was die Locals in London über das Restaurant in Soho sagen. Und zwar direkt, während ich draußen vor der Tür die Speisekarte inspiziere. “Nette Bedienung, super Ambiente, hier gehen auch schon einmal Stars essen…” – na dann mal rein.

Für das Marketing und die Wirtschaft bleibt eine Frage: wer wird von dieser neuen Entwicklung besonders profitieren? Sind es die Unternehmen vor Ort selber? Die Daten-Provider? Geräte-Hersteller? Entwickler mobiler Apps? Ist es letzlich der Nutzer, der profitiert? Am ehesten werden es wohl Informations-Mavens wie google sein. Diese profitieren dann von ihrem geschaffenen Ökosystem und der mobilen Werbung darin.

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