We didn't start the fire

Nils Apple, Trend Leave a Comment

Gerade habe ich einen sehr interessanten Artikel in der Januar-Ausgabe der WIRED gelesen. Eingepackt in eine Artikelserie über “Fail! Screw ups, disasters, misfires, flops – why losing big can be a winning strategy”, die übrigens lesenswert ist, handelt der Beitrag von Larry Ellison, CEO von Oracle. Der Autor beschreibt den damaligen Kampf Ellisons gegen Microsoft um – ja um was eigentlich? Nun, es ging wohl vor allem um den Neid, den Ellison auf Bill Gates hatte, weil dieser mit seiner Softwareschmiede erfolgreicher war als der Datenbank-Hersteller.

Ellison stemmte sich gegen den aufstrebenden Konzern aus Redmond mit der Idee eines Network Computers. Eines Computers, dessen einzige Aufgabe es sein sollte, möglichst günstig zu sein und einen Zugang zum Internet zu ermöglichen. Das Cloud-Computing war geboren. Ellisons Problem: man schrieb das Jahr 1995, Microsoft war gerade mit dem überaus erfolgreichen Windows 95 an den Markt gegangen, die PC-Industrie war gerade erst den Kinderschuhen entwachsen und das für die Idee Network Computing so essentielle Internet war weit entfernt von der Massentauglichkeit sowohl in Inhalt als auch Bandbreite. Dennoch glaubten einige an die Idee Ellisons und verfolgten diese über die Jahre weiter. Einer von diesen ebenso visionären Vordenkern war und ist Eric Schmidt, seinerzeit CTO von Sun Microsystems und nun CEO von google. Er führte Ellisons Idee auf seine Weise weiter und lässt sie in Produkten resultieren, von denen wir alle in den letzten Monaten nur allzuoft gehört haben – google Chrome OS.

Ellison, mittlerweile einer der reichsten Menschen der Welt, mag nicht direkt von seiner damaligen Idee profitiert haben, seine Reputation hat es aber definitiv. Nach fast 15 Jahren mag man nun sagen, “nichts ist so stark, wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist”.

Eine ähnliche Geschichte könnte man auch von einem der anderen ganz großen des Silicon Valley erzählen, Apples Chef Steve Jobs. Auch er hatte mit seiner Firma ein Produkt auf den Markt gebracht, welches seiner Zeit viel zu weit voraus war, um erfolgreich zu sein. Den Newton bzw. besser bezeichnet als MessagePad. Zwar wurde das Projekt bei Apple in Abwesenheit von Jobs initiiert und durch ihn bei seiner Rückkehr zu Apple wegen Erfolglosigkeit eingestellt. Aber Jobs hatte die Idee dahinter – ein einfach bedienbares, mobiles Notizgerät mit Internetkonnektivität und Touchscreen – mehrere Jahre später in Apples bisher erfolgreichstes Produkt überführt, das iPhone. Denkt man weiter und glaubt den Gerüchten um das möglicherweise kommende Tablet iSlate, dann könnte es auch eine Zusammenführung beider Strömungen geben. Schon heute zeigt das iPhone, dass Cloud-Computing mittels Apps eine sinnvolle Sache ist. Ein Tablet von Apple könnte dieser Idee weiteren Schwung geben und auch größere Anwendungen erlauben.

Der Sturm vor der Ruhe

Schaut man sich die Entwicklungen der letzten zehn Jahre an, dann erscheint es im Vergleich mit den 50 Jahren davor geradezu wie ein Sturm der Innovation. Beide vorgenannten Beispiele sind nur zwei aus einer Vielzahl von Erfindungen, die findige Unternehmer in der letzten Dekade auf den Weg gebracht haben. Denkt man nur einmal daran, wie verblüfft wohl Konsumenten vor zehn Jahren gewesen wären, hätte man ihnen heutige Flachbild-TVs gezeigt oder wieviel Leistung heutige Smartphones mit sich bringen. Vor zehn Jahren wurden Handys in Europa gerade einmal mit mehrfarbigen Displays ausgestattet. Ich kann mich noch gut erinnern, wie wir im Jahr 1998 mit Freunden unsere PCs aufgerüstet und ausgereizt haben, um damalige Knallerspiele, wie Duke Nukem 3D oder US Navi Fighters zum Laufen zu bringen. Heute spiele ich diese oder vergleichbare Spiele ganz einfach auf meinem iPhone.

Denkt man diesen erstaunlichen Prozess für die nächsten zehn Jahre weiter, dann fragt man sich wirklich, ob es nicht irgendwann den großen Knall gibt, das Ende der vorgespulten Kassette, der Ablauf des Programmcodes der Erde vor der Findung der Frage zur legendären Antwort “42” (wollen wir mal hoffen, dass wir bis dahin die Planungsunterlagen auf Alpa Centauri studieren und Einspruch gegen die vogonische Sprengung erheben konnten). In allen Bereichen ist zur Zeit diese Spannung, dieser Wandel spürbar. Technologien schreiten fort, soziale und ökonomische Strömungen reißen uns mit. Der Fall der Finanzwirtschaft, die prekäre Lage der Zeitungsindustrie, das digitale Aufbäumen der Internet-Szene gegen die Politik. Man hat das Gefühl, dass alles aus dem Ruder läuft. Ist der Mensch überfordert von seiner eigenen Innovationskraft?

Ich sage Nein! Der Mensch ist im letzten Jahrhundert nicht stehengeblieben. Auch er hat sich weiterentwickelt. Und er wird sich auch weiter der Evolution beugen. Schaut man sich Teilbereiche an, dann wird das deutlich. Mark Zuckerberg, Gründer von Facebook, sagte zuletzt in einem Interview “Die Ära der Privatsphäre ist vorbei!”. Genauso könnte für einen anderen Bereich sagen, “die Ära des stationären Computings ist vorbei”. Wer da nicht mithält, dem geht es so wie bei jeder Evolutionsstufe der Natur: er wird aussterben.

Jeder, der nur ein bisschen enthusiastisch gegenüber Technologie ist, sollte, zumindest in gewissem Grade der Aussicht nach Veränderung erwartungsvoll gegenüber stehen. Mir geht es jedenfalls so. Klar kann man sagen, “das wird doch nie was”, “ich mach da nicht mit, bringt ja doch nichts”. Aber am Ende ist es vielleicht die verpasste Chance, die verpasste Idee, die einem daran hindert, zu einem solch erfolgreichen Menschen zu werden, wie die eingangs genannten Personen Ellison und Jobs.

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