Twitter-Gewinnspiele: Erfolg garantiert?

Nils social media, viral Marketing 1 Comment

In meiner Timeline in twitter tauchen hin und wieder Tweets von Followern auf, die an einem twitter-Gewinnspiel teilgenommen haben. Anfangs neugierig, habe ich nun auch schon einige Male bei solchen Aktionen mitgemacht. Mit Erfolg. Bei @fonic_de habe ich einen Kaffee-Becher abgestaubt und bei @strategicplay einen wunderbar dazu passenden LEGO-Untersetzer.

Das bewegt mich zu den Fragen, ob man bei twitter-Gewinnspielen eine generell größere Gewinnchance hat als bei anderen Online-Gewinnspielen und, wichtiger, was eigentlich die ausführenden Unternehmen von diesen Aktionen haben? Die erste Frage lässt sich sicherlich leicht beantworten. Da ich eigentlich noch nie irgendwo etwas gewonnen habe und hier nun gleich zweimal, scheint es tatsächlich eine höhere Gewinnchance zu geben. Das liegt aber wohl auch daran, dass einerseits die Preise nicht wirklich hochwertig sind und vor allem, dass die twitter-Kanäle der Unternehmen in Deutschland noch immer wenige Follower haben.

Follower. Das ist ein Ansatz, auf den Unternehmen mit solchen Gewinnspielen abzielen. In kurzer Zeit den eigenen twitter-Kanal bekannt machen und möglichst viele Follower einsammeln. Damit man diese später mit weiteren Aktionen beglücken kann, den Dialog mit der Social-Media-Community pflegt, die eigene Marke bekannter macht, etc. etc.

Nur: kann das wirklich funktionieren? Gewinnt man als Unternehmen mit der Durchführung eines twitter-Gewinnspiels wirklich hochwertige Follower? Ich meine, es kommt drauf an. Hier spielen mehrere Faktoren hinein. Nachstehend einmal eine Liste, wie man aus meiner Sicht eine erfolgreiche Kampagne im Social Web durchführt, ob nun twitter Gewinnspiel oder Facebook-Aktion, usw. (oder wann man es besser sein lässt):

1. Man braucht ein Ziel
Ohne, dass man sich ein Ziel gesetzt hat, sollte man als Unternehmen im Social Web sowieso niemals etwas tun. Einfach mal so drauflos twittern/werben funktioniert nur in den seltensten Fällen. Ein sinnvolles Ziel kann schon die Gewinnung von Followern sein. Oder man denkt weiter und benennt eine Abverkaufssteigerung bei einem bestimmten Produkt, welches man bei twitter dann in den Fokus rückt, als Ziel.

2. Soll es ein Gewinnspiel sein? Dann ist Kreativität vonnöten
Jeder kann bei twitter ein Gewinnspiel veranstalten. Aber mal ehrlich: man möchte doch, dass möglichst viele Menschen teilnehmen bzw. dass ein gewisser viraler Effekt eintritt, der dann noch mehr Menschen zur Teilnahme bewegt. Besonders kreativ und ohne aufwändige Mittel hat dies zuletzt IKEA gezeigt. Zwar nicht auf twitter, sondern auf Facebook, aber egal. Tausende Schweden haben die Möglichkeit genutzt, ihre Wunscheinrichtung zu gewinnen. Kreativ daran war, dass IKEA bestehende Funktionen von Facebook verwendet hat. Genau genommen haben sie somit noch nicht einmal viel Budget in die Hand genommen, für den Werbeeffekt haben die Nutzer gesorgt (=viral).

3. Soll es ein Gewinnspiel sein? Dann sind die richtigen Gewinne wichtig
Kein Mensch wird an einem Gewinnspiel teilnehmen, wenn der Gewinn langweilig ist. Aber halt. Es kommt ja immer darauf an, wie man langweilig definiert. Denn man sollte an dieser Stelle keineswegs denken, dass nur teure Produkt-Gewinne Erfolg haben können. Im Gegenteil. Manchmal reicht auch eine Kleinigkeit, wenn sie einen gewissen Charme ausübt. Ebenso kommt es darauf an, wie aufwändig es ist, an die “Kleinigkeit” dann auch heranzukommen, wie groß die Teilnahme-Hürden also sind.

3. Fehlt der Bezug zum eigenen Produkt, dann hat man eigentlich schon verloren
Erinnern wir uns: man möchte ja das eigene Produkt, die eigene Marke stärken. Hier also planlos irgendetwas zu verlosen, womit dann zwar der Teilnehmer auch etwas anfangen kann, der Bezug aber nicht vorhanden ist, ist nicht sinnvoll. Siehe auch Punkt 1: Ziele. Gute Beispiele für produktbezogene twitter-Gewinnspiele sind das oben genannten LEGO-Gewinnspiel von @strategicplay (die als Anbieter von spielerischen Strategie-Seminaren zusammen mit LEGO Strategic Play einen deutlichen Bezug hatten) und auch die Gewinnspiele von @cinemaxx (die als Kinobetreiber natürlich Filmfragen stellen und Filmpakete oder Eintrittskarten verlosen).

4. man sollte sich über die Streuverluste im Klaren sein
Gewinnspiele erzeugen immer Streuverluste. Immer gibt es Teilnehmer, die nur des Preises wegen mitmachen. Die Marke ist egal. Man sammelt also auch unrelevante Follower ein, die sich vielleicht gar nicht für das eigene Produkt interessieren. Hier kommen dann definitiv wieder die Punkte 3 und 4 ins Spiel. Je besser diese erfüllt werden, desto weniger wahrscheinlich sind Streuverluste. Ebenso kommt es darauf an, ob das eigene Produkt nur ein Nischen-Produkt ist oder einen Massenmarkt anspricht. Bei @strategicplay habe ich beispielsweise nur teilgenommen, weil ich großer LEGO-Fan bin. Das Produkt Strategic Play interessiert mich eher weniger. Wohingegen @cinemaxx deutlich größere Bevölkerungsteile ansprechen kann. Ins Kino geht jeder irgendwann einmal.

4. man sollte sich keine Illusionen machen
twitter und andere Social-Media-Dienste haben in Deutschland längst noch nicht den Stellenwert, den sie beispielsweise in den USA erreichen. Noch muss es Hierzulande ein kleiner Teil des Kommunikationsmixes bleiben. Aber sicherlich ein Teil, der eine sehr multiplikative involvierte Zielgruppe erreicht. Hier ist also eher Qualität denn Quantität enthalten.

5. man sollte die Gefahren kennen
Wirft man seine Marke in den Ring der Sozialen Medien, dann kann es schnell passieren, dass einem plötzlich die Marken-Kommunikation ein Eigenleben führt. Erinnern wir uns an das Cluetrain Manifest: “…Märkte sind Gespräche. Ihre Mitglieder kommunizieren in einer Sprache, die natürlich, offen, ehrlich, direkt, witzig und häufig schockierend ist.” Nicht immer wird einem vielleicht gefallen, was über einen gesagt wird. Vielleicht sagen der Followerschaft die Gewinnspiel-Preise nicht zu. Oder man hat nicht offen genug kommuniziert. Oder man wollte die Nutzer von vornherein eher ausnutzen. All das kommt gerade in twitter ziemlich schnell ans Licht und kann so gehörig nach hinten losgehen. Obwohl. Bei einem Gewinnspiel über diese Plattform ist so etwas eher unwahrscheinlich.

6. nur Nachhaltigkeit und ein langer Atem führen zum Ziel
Sie haben vor, ein twitter-Gewinnspiel durchzuführen? Sie wollen auf Anhieb 2000 Follower einsammeln? Und dann mal sehen, was man mit denen weiter anfängt? Vergessen Sie es ganz schnell. twitter lebt von der Kommunikation der Mitglieder. Wenn Sie ein Teil davon werden möchten, dann sollten Sie sich vorher Gedanken machen, siehe Punkt 1: Ziele. Ebenso müssen Sie vermutlich mehr als eine Aktion fahren, um diese Ziele zu erreichen. Was nicht bedeuten muss, dass man nur Gewinnspiele durchführen sollte. Im Gegenteil. Man möchte ja die Follower bei der Stange behalten. Also muss man wiederum kreativ sein und den Kanal anderweitig füllen und wertig machen.

Ich denke, dies sind die wichtigsten Punkte, die zu einem Erfolg oder Mißerfolg bei twitter-Gewinnspielen führen können. Nur wenn man die Punkte zumindest teilweise beachtet, steht unternehmerischem Erfolg mittels twitter-Gewinnspielen kaum etwas im Wege.

Übrigens: es gibt aktuell eine Vielzahl von twitter-Gewinnspielen, an denen man aktuell teilnehmen kann. Eines findet man bei www.druckerei.de. Man kann dort, passend zum bevorstehenden Jahr 2010 einen Kalender mit twitter-Motiv gewinnen. Die Aktionsseite gibts hier.

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  1. Pingback: Twitter-Wandkalender 2010 » Menstyle

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