Sizilien – Insel der Tempel, der Mafia und des Weines

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Als die Entscheidung stand, eine Woche nach Sizilien zu fliegen, kannte ich von der Insel nicht mehr als den Namen und Wim Wenders Film Palermo Shooting mit Campino. Und natürlich Geschichten über die Mafia und den Paten. Viel Zeit für Vorbereitung blieb nicht, so dass ich mich ganz darauf einlassen konnte, die Insel mit eigenen Augen kennen zu lernen, so wie man es als Reisender heutzutage viel zu selten macht.

Der Flug ging von München nach Catania, als Unterkunft hatte ich im Vorfeld für zwei Tage ein Bed & Breakfast gebucht. Nachdem die Formalitäten mit dem Mietwagen geklärt waren, machte der berüchtigte sizilianische Verkehr das erste Mal Bekanntschaft mit meinen Fahrkünsten. Und tatsächlich, Autofahren in Catania ist nichts für Anfänger. Da wird gedrängelt, an allen möglichen Stellen überholt und ständig gehupt. Ampeln und Verkehrszeichen werden geflissentlich übersehen. Hinzu kommt, dass die Straßen sehr eng und mit unzähligen Schlaglöchern übersät sind. Da ein Stadtplan nicht vorhanden war, musste ein Polizist aushelfen, der uns freundlicherweise vorausfahrend durch Einbahnstraßen (in die falsche Richtung) schnell zum Ziel brachte.

Von den Unterkünften in ganz Sizilien braucht man nicht viel zu erwarten, für circa 60 Euro die Nacht und Doppelzimmer bekommt man aber durchaus eine saubere Schlafgelegenheit. Hotels sind dabei nicht teurer als Bed & Breakfasts. Wobei vor allem das Frühstück typisch italienisch ist und zumeist nur aus einem Cappucino oder Espresso besteht. Der zweite Tag brachte uns daher auch relativ schnell raus aus der Stadt und hinauf zum Ätna. Leider konnten wir nicht ganz hoch fahren, da noch zu viel Schnee die Straße unpassierbar machte. Unzählige Sizilianer nutzen die Chance und fuhren auf dem Vulkan Schlitten. Die folgenden Stunden und den nächsten Tag nutzten wir für eine Tour durch Catania, wobei vor allem durch die vielen alten Barockbauten und die nette Einkaufsstraße einige lohnenswerte Haltepunkte vorhanden waren.

Tags darauf ging es weiter nach Syrakus, der alten Stadt, die durch ihre barocken Bauten und vor allem die Tempel bekannt ist. Nach einem Besuch der antiken Stätten und des Amphitheaters ging es zu Fuß auf die Halbinsel Ortygia. Diese ist wirklich sehenswert und bietet einige nette Gässchen, in denen man vortrefflich einkaufen und sich in Cafés den leckeren Espresso schmecken lassen kann. Unsere Unterkunft hier war ein Hotel der gehobenen Klasse, welches sympathisch eingerichtet war. Interessantes Randdetail war, dass die Rezeptionistin den ganzen Abend vor Langeweile in Facebook surfte.

Noto war ein Zwischenziel auf dem Weg nach Ragusa. Angeblich sollte es hier das beste Eis der Welt geben, leider war aber gerade diese Gelaterie wegen Renovierung geschlossen. Egal, ein Besuch des Theaters und der Kathedrale machten das allemal wett, denn diese sind wirklich lohnenswert. Ganz besonders gefallen hat aber der Palazzo Nicolaci, in welchem wir eine Führung in gebrochenem Englisch, Italienisch und Deutsch mit einer sehr netten jungen Dame machten, welche uns erklärte, dass unter anderem die Freimaurer im Gebäude einige ihrer Symbole zurückgelassen haben. Und tatsächlich waren sehr viele Pentagramme, Pyramiden und Obelisken zu sehen.

Weiter ging die Reise über Modica nach Ragusa. Leider war Ragusa nicht so schön, wie beschrieben, vor allem ist es ziemlich verschlafen. Schlafen war das Stichwort, weshalb wir im Dunkeln eine Unterkunft suchten und bei einer Dame im mittleren Alter in einem Bed & Breakfast fündig wurden. Noch ein bisschen den Preis runtergehandelt – gut, dass ich mittlerweile die italienischen Zahlen ganz gut konnte – schliefen wir in einem Zimmer, welches mit Fotos der Töchter der Dame des Hauses aus den 80er dekoriert war.

Nach dem wiederum wenig sättigenden Frühstück ging es weiter nach Enna. Diese Stadt ist wirklich beeindruckend, der alte Teil ist oben auf einem Berghang gelegen und man hat mit dem Auto einige Schwierigkeiten die äußerst steilen und vor allem sehr engen Straßen zu durchqueren. Da war öfters Spiegel anklappen angesagt. Da Enna in der griechischen Sage von Demeter, der Göttin der Fruchtbarkeit eine Rolle spielt, schauten wir uns die Stätten der Sage genauer an, bevor es dann abends weiter in Richtung Agrigent ging. Auf dem Weg dahin wurden wir per Hotel-Wegweiser in hinterste Winkel und sehr dunkle Straßen gelotst, so dass wir schon das Gefühl hatten, wir kommen am Motel aus Psycho an. Eigentlich wollten wir außerhalb der Stadt übernachten, damit es günstiger ist, da wir aber nichts fanden, fuhren wir doch direkt hinein und hatten auf Anhieb Glück mit einem sehr günstigen und ordentlichen Hotel direkt parallel zur Einkaufsstraße.

Ein kurzes Frühstück am nächsten Morgen machte uns fit für den Tagesausflug ins Valle dei Templi, der größten Ansammlung von antiken Tempeln außerhalb von Griechenland. Sehr beeindruckend und wunderbar zu fotografieren, nur eigentlich gar kein Tal sondern die Überreste der alten Stadt Akragas. Hier kann man gut und gerne den ganzen Tag verbringen, was wir dann auch machten. Besonders nett war der Abstecher zu einem in einer Schlucht gelegenen Garten mit wunderbaren Orangen-Bäumen. Die nette Dame am Eingang erklärte uns, dass wir gerne direkt vom Baum pflücken können, was wir dann auch taten. Ich habe nie solch saftige Apfelsinen und Mandarinen gegessen.

Nach einer weiterem Nacht im Hotel ging es am nächsten Tag in Richtung Palermo. Auch dort scheinen alle Verkehrsregeln nicht gültig zu sein, so dass die Suche nach einem Parkplatz in unzähligen Beinahe-Kollisionen mit Moped-Fahrern und lauten Hupkonzerten ganz schön stressig war. Einmal gefunden, eröffnete die Stadt aber ihren Charme gleich zu Beginn mit einem Museum, in welchem wir eher zufällig auf genau das Gemälde stießen, welches eine große Rolle im eingangs erwähnten Palermo Shooting spielt, das “Fresko Il Trionfo della Morte” (Der Triumph des Todes). Campino hat nicht zu viel versprochen, auch sonst bietet die Stadt viele Fotomotive. Vor allem die typischen Straßenmärkte sind einen Besucht wert. Leider ist es aber sonst sehr laut, voller Abgase und sehr hektisch. Aber die Einkaufsstraße ist sehr schön, direkt am Teatro Massimo gelegen. Hier kam uns wieder das Glück zu Hilfe, so dass wir direkt dort ein günstiges Hotel der Oberklasse fanden, in welches wir für die letzten beiden Nächte eincheckten.

Am nächsten Tag ging es nach Monreale, wo wir uns den sehenswerten Dom anschauten, welcher für seine Mosaike bekannt ist, welche die Schöpfungsgeschichte darstellen. Monreale ist auch sonst sehr schön und nicht so touristisch wie Palermo. Weiter ging es nach Corleone, wo jeder Fan des Paten einmal gewesen sein sollte. Landschaftlich romantisch gelegen ist Corleona ein eher verschlafener Ort. Vor allem die Fahrt dorthin ist lohnenswert, der Ort weniger.

Nach einem Abendessen mit dem vorzüglichen Sizilianischen Wein, von welchem ich leicht zuviel kostete, erwachte ich eher unausgeschlafen und verkatert an unserem letzten Tag auf Sizilien. Wir unternahmen noch einen Abstecher ins Teatro Massimo, wo wir erneut eine Privat-Führung erhielten. Das Teatro Massimo ist das größte Opernhaus in Italien und das drittgrößte in Europa. Hier wird Aida in Vollbesetzung gespielt, zur Eröffnung auch inklusive Elefanten auf der Bühne. Besonders eindrucksvoll sind die akustischen Finessen, die der Architekt Ernesto Basile eingebaut hat. Die Hauptloge besitzt durch zwei gegenüberliegende konkav geformte Wände einen Effekt, der Dolby Surround nahe kommt. Zusätzlich gibt es einen runden Saal für die Gentlemen, der so gebaut ist, dass man dort keine sinnvolle Unterhaltung führen kann. Zu viele Echos und Interferenzen sorgen dafür, dass die Herren auch ja wieder zurück in den Theater-Saal kommen nach der Pause.

Der Rückflug verlief unspektakulär, bis auf Flugverspätung von München nach Hannover und einen lustigen Pizza-Automaten auf dem Flughafen in Palermo.

Sizilien ist allemal eine Reise wert, die folgenden Fotos geben sicher nur einen ganz geringen Eindruck wieder.

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