Paris Louvre Pyramid

Midnight in Paris – Paris im Regen

Nils Film, Review Leave a Comment

Inspiriert durch die Rezension drüben bei Eva habe ich mir am Sonntag “Midnight in Paris” angeschaut. Woody Allen ist eigentlich nicht so mein Fall, aber auch ich fand “Vicky Cristina Barcelona” toll und wollte dem neuen Werk des amerikanischen Regisseurs deshalb eine Chance geben. Außerdem klang das Thema des Films zu verlockend, um nicht dem Göttinger Cinemaxx einen Besuch abzustatten. Kurz gesagt, es geht um Zeitreisen (einem meiner Lieblingsthemen), Paris und Literatur. Den Film aber nur auf diese drei Aspekte zu reduzieren wird dem Werk Allens hier nicht gerecht, zwischen den Zeilen wird erfreulicherweise viel mehr gesagt.

Der Plot ist schnell erzählt. Gil (Owen Wilson) und Inez (Rachel McAdams) sind ein ziemlich gegensätzliches Paar kurz vor der Hochzeit, welches mit den Eltern der Braut einen Trip nach Paris unternimmt. Gil, der als Autor wenig Sinn für die weltlichen Befindlichkeiten der Schwiegereltern hat und genervt von dem besserwisserischen Verhalten von Inez Bekannten Paul und Carol ist, verläuft sich kurzum auf einem Spaziergang durch die französische Metropole. Etwas angeheitert von einer vorher besuchten Weinprobe landet Gil so um Mitternacht an einer magischen Stelle und wird ins Paris der 20er Jahre versetzt. Dort trifft er Scott Fitzgerald, Ernest Hemingway und weitere bekannte Künstler dieser Epoche. Naiv und verwirrt bittet er Hemingway, sein Manuskript für seinen aktuellen Roman gegen zu lesen, welcher aber ablehnt, bevor er plötzlich wieder in die Gegenwart versetzt wird. Doch die Magie wirkt fort und Gil flieht nun jede Nacht vor seiner immer zickiger werdenden Ehefrau in diese Phantasiewelt und läuft so im Laufe des Films Picasso, Dalí, Man Ray, Matisse, Gauguin und anderen über den Weg. Er ist besonders fasziniert von der großartigen Adriana (Marion Cotillard), die als Geliebte Picassos ein Techtelmechtel mit Gil beginnt, welches sich – man kann es sich denken – sich über die Zeiten hinweg negativ auf die Beziehung zwischen Gil und Inez auswirkt.

Midnight in Paris, Quelle: offizielle SeiteUm den Film zu verstehen, sollte man etwas bewandert in der Kunst- und Literaturszene dieser Zeit sein, die wunderbaren Bilder der Seine-Metropole sprechen aber auch so für sich. Letztlich geht es in Woody Allens Film vor allem um eines: die Erkenntnis, dass man zwar nostalgische Gefühle für eine bestimmte Epoche haben kann, deren Gegenwart selbst aber bei genauer Betrachtung und insbesondere für die in der entsprechenden Zeit lebenden Personen auch nicht befriedigend ist. Wünscht sich nicht jeder, zu einer früheren, vermeintlich besseren Zeit gelebt zu haben? Und würde man dann nicht all die Annehmlichkeiten, die man heute hat, vermissen? Alles in Allem bleibt Allens Film bei dieser Frage allerdings sehr oberflächlich. Zu kurz und nichtssagend sind die Dialoge der Charaktere. Wobei natürlich, typisch für die Filme des Stadtneurotikers, dennoch viel geredet wird. Besonders schön ist dabei die Szene, in der Hemingway (großartig gespielt von Corey Stoll) Gil erklärt, was wirkliche Leidenschaft bedeutet und wie man im Moment wirklicher Lust die Angst vor selbst dem Tod überwindet.

Midnight in Paris macht am Ende vor allem Lust auf eines: Paris, die Liebe und die Werke der alten Meister. Und ja, ich finde auch, Paris ist im Regen am schönsten.

 

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