Lifecasting als Trend der digitalen Generation

Nils Trend 1 Comment

Wie wäre es wohl, wenn man alle aufregenden, schönen und besonders wertvollen Momente im Leben noch einmal durchleben könnte? Ungefähr so, wie James T. Kirk in Star Trek “Treffen der Generationen”, als er im Nexus gefangen ist. Dabei muss der Auslöser dieser interaktiven Erinnerungen gar kein kosmisches Band sein, es reicht schon die Stimulation einiger Nervenzellen und Sinnesorgane, um diesem Zustand zumindest auf gedanklicher Ebene zu erreichen. Da aber auch dies noch Science Fiction ist, soll es hier eher um eine Vorstufe dieses Wiedererlebens gehen, dem LifeCasting.

Ich bin mir gar nicht so sicher, ob es den Begriff LifeCasting in diesem Zusammenhang überhaupt gibt. Ich habe ihn eher erfunden, weil er mir für das, was hier beschrieben werden soll am treffendsten erscheint. Doch der Reihe nach.

Auf dem diesjährigen ConventionCamp besuchte ich eine Session mit dem Titel “Kreativität 2.0″. Dort wurden die Teilnehmer in Gruppen von 5 Personen aufgeteilt, wobei jeder Person innerhalb der Gruppe einer der 5 menschlichen Sinne zugewiesen wurde. Ich hatte den Tastsinn. Nun hatte jeder die Aufgabe, seinem Sinn Adjektive zuzuordnen, die beschreiben, wie das Internet der Zukunft mit diesem Sinn ist. Wie es sich anfühlt, schmeckt, riecht und so weiter. In meinem Fall also etwa “glatt”, “kühl” und “nachgiebig”, weil ich denke, dass den kalten Glasoberlächen zukünftiger Eingabegeräte oder Touchscreens eine menschlich nachgiebigere Komponente hinzugefügt wird. So wie die dünnen biegsamen Display in dieser Zukunftsvision von Microsoft.

Anschließend sollte aus den gesammelten Eigenschaften eine oder mehrere Ideen entwickelt werden. In meiner Gruppe kam dabei die Idee einer Kamera, die auf Wunsch schöne Momente aufnimmt, heraus. Natürlich sollte diese Aufnahmetechnologie möglichst unsichtbar, variabel und vor allem lebensnah sein, sprich möglichst dreidimensionale Bilder inklusive Ton, Geruch und so weiter erfassen. Später kann man auf diese Weise die Momente mit anderen teilen oder selbst darin “eintauchen”, zurück gehen und sie erneut erleben. Die Idee des LifeCasting war geboren.

Nun ist auch diese Vorstellung einer kompletten Lebensaufzeichnung noch zu viel Science Fiction, um wirklich Realität zu werden. Sie scheitert derzeit insbesondere an der nicht vorhandenen Aufnahmetechnik. Zwar gibt es 3-D-Kameras. Aber für ein wirkliches LifeCasting braucht man etwas Kleineres, Unauffälligeres. Ein Aufzeichnungsmedium, welches direkt auf unseren Sinnesorganen die Reize aufnimmt. Klingt weit hergeholt, ist es aber gar nicht. Ich denke, in den nächsten 10 bis 15 Jahren wird sich die Technologie und Medizintechnik so weit entwickelt haben, dass Sinnesprojektionen möglich sein werden.

Aber auch heute bemühen sich schon viele Menschen, ihr Leben möglichst täglich aufzuzeichnen. Seien es die unzähligen Videos auf Youtube. Tägliche Fotos bei Dailybooth. Oder auch die unwirklichen Kameraperspektiven, die beispielsweise mit der GoPro-Kamera möglich sind. Und tatsächlich gibt es den Begriff des LifeCasting heute schon. Menschen laufen mit Kameras durch die Gegend und filmen jeden erdenklichen Aspekt ihres täglichen Lebens. Prominentestes Beispiel für einen LifeCaster ist sicherlich Justine Ezarik oder auch “iJustine”, welche durch ihr LifeCasting und ihre anschließende Youtube-Show einige Berühmtheit erlangte. Unterstützung erhält die LifeCasting-Community auch aus der amerikanischen Startup-Szene durch Unternehmen, wie Qik, gefördert unter anderem durch Promi-VentureCapitalist Ashton Kutcher.

Ich bin gespannt, wie das weiter geht und ob der Wunsch der Menschheit, schöne Momente wieder und wieder durchleben zu können, eines Tages einmal so richtig Realität wird.

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  1. Pingback: Path – LifeCasting App vom Feinsten - himynameisnils

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