Fujifilm Finepix X100 und der Retro-Trend der Digitalkameras

Nils Fotografie, Marketing, Review, Trend 2 Comments

fujifilm finepix x100

Till von mittleresgrau.de mit der Fujifilm X100

Wer mich kennt, weiß, dass ich ein Faible für edles Design in Verbindung mit modernster Technik habe. Edles Design, wie das von Dieter Rams, Jony Ive oder auch Colani und Braun. Klassisch, zeitlos, modern und dabei doch Retro. Darin Technologie der heutigen Zeit, sparsam eingesetzt, bedienbar und nicht aufdringlich. Diese Retro-Moderne gibt es nicht nur bei Autos oder Radios (siehe mein Test des Revo Heritage), sondern zuletzt auch bei Kameras. Auf der diesjährigen IFA 2011hatte ich Gelegenheit, mir die Fujifilm Finepix X100 näher anzuschauen, die ein besonders schöner Vertreter dieser Retro-Welle ist.

 

Als ich die X100 in die Hand nahm, fühlte ich mich sogleich an meine alte Praktica erinnert. Nicht nur durch ihr Aussehen imitiert die X100 die alten Kamera-Meisterwerke von Pentacon, Leica, Exacta und anderen. Dabei lässt insbesondere das Magnesium-Gehäuse in Verbindung mit dem griffig aufgerautem schwarzen Plastik die Fujifilm-Kamera wie einen Oldtimer wirken. Auch das wertige Gewicht und das haptische Gefühl vermitteln den Eindruck, hier nicht eine neumodische japanische Billigkamera in der Hand zu halten.

Am Sucher sieht man natürlich sofort, dass die X100 keine Spiegelreflex ist. Dafür ist dieser aber ein wirklich moderner Vorteil gegenüber den Großvätern dieses Fotoapparates. Anders als bei den Modellen des letzten Jahrhunderts findet sich hier nicht einfach ein optisches “Guckloch”, sondern ein hybrid-optischer Sucher. Auf 1,44 Millionen Bildpunkten lassen sich dort gleichzeitig das optische Bild und digitale Zusatzinformationen zur Aufnahme betrachten. Zusätzlich kann man zu einer rein elektronischen Anzeige umschalten, was unter anderem das Fokussieren erleichtert. Auch alle anderen Funktionen der Kamera entsprechen heutigem Standard. Wobei Fujifilm dennoch darauf geachtet hat, dem Fotografen hier nicht alles allzu leicht zu machen. So gibt es keine Motiv-Automatik und sonstige Spielereien. Dem Fotografen bleibt mehr Möglichkeit der bewussten Gestaltung. Ein weiterer Vorteil und Retro-Merkmal. Die integrierte Festbrennweite erzielt in Verbindung mit dem APS-C-Sensor sehr hochwertige Fotos im Rohdatenformat, welche offenbar – das konnte ich auf der Messe nicht testen – mit denen einer Canon EOS 7D mithalten können sollen. HD-Aufnahmen in 720p sind ebenso möglich wie Panorama-Shots. Spannend zudem, dass die Macher des Fujinon-Objektivs darauf geachtet haben, einen ND-Filter direkt einzubauen. So lassen sich bei weit geöffneter Blende (F2) auch sehr helle Aufnahmen vornehmen. Alle Spezifikationen der Fujifilm Finepix X100 finden sich hier.

Fujifilm X100

Quelle: fujilfilm.eu

Sehenswert und ebenso altmodisch-modern sind die zugehörigen Kamerataschen, welche wie früher unten am Stativ-Gewinde verschraubt werden und in wertigem Leder gefertigt sind.
Schade, dass der Preis der Finepix X100 mit knapp 1000 Euro sehr hoch liegt und damit der Kauf wohl eher etwas für Liebhaber solcher Retro-Moderne ist, die über einen großen Geldbeutel verfügen.

Der von Fujifilm mit der X100 neu aufgesetzte Retro-Charme ist, wie eingangs erwähnt nicht nur Kameras vorbehalten. Auch Autos, einige Fernseher oder sonstige technisch aufwändige und funktional designte Alltagsgegenstände erfahren aktuell diesen Trend. Selbst Kinofilme sind derzeit erfolgreich, wenn sie sich, wie z.B. Super 8 in einer Gegenbewegung zum aktuellem 3-Kino auf Altbewährtes besinnen. Der Indikator für diesen Trend im Produktmarketing ist nicht zuletzt immer noch die Welle des Cocooning, also der Wunsch nach Geborgenheit, Bewährtem und Werten. Die Menschen haben in der schnelllebigen Zeit insbesondere in der Welt der Technik verstärkt den Wunsch nach etwas vertrautem. Und in was könnte man sein Vertrauen wohl besser setzen als in edles Design und moderne Handwerkskunst?

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